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Warum ich meine Xtreme One Lizenz nach 4 Jahren nicht verlängern werde

Mal aus dem Nähkästchen geplaudert, einige ganz subjektive Entscheidungen und Erfahrungen. Bezogen auf ein ganz bestimmtes Produkt. Allerdings hat manches durchaus allgemeinen Charakter. Ähnliches könnte ich genausogut für andere Produkte oder Dienste mitteilen. Und das werde ich ab jetzt in loser Reihenfolge ab und an auch tun! :-) Alles hat ein Ende, sagt man. Naja, fast alles, glaub ich …

Xtreme One Framework - keine Verlängerung bei mir

Xtreme One Framework – keine Verlängerung bei mir

1) Ich brauch(t)e dieses Framework nicht

Jawohl, ich war im November 2010 einer der ersten zahlenden Kunden überhaupt für dieses Produkt! Schon damals habe ich es nicht wirklich gebraucht. Ich habe es mir als Spielzeug, Spielwiese und Vergleichsprodukt (zu Genesis Framework) geholt, und, um die deutschen Entwickler & Herausgeber zu unterstützen.

Ein live-Projekt habe ich mit Xtreme One nie umgesetzt. Wozu auch? Wozu in ein zweites Framework einarbeiten, wenn man bereits ein anderes erfolgreich einsetzt? Eben. Ein Framework macht sich ja gerade dann bezahlt, wenn man es möglichst “exklusiv” einsetzt. Sonst lohnen sich die Spareffekte mitunter schnell nicht mehr …

2) Neues Preis- und Geschäftsmodell

Seinerzeit habe ich einen “Lifetime”-Preis gezahlt, d.h. einmal zahlen, lebenslang nutzen, für eine unbegrenzte Anzahl an Projekten, Webseiten usw.

Nach dem tragischen Tod des Erfinders, Herausgebers und leitenden Entwicklers des Projektes, wurde es vor knapp zwei Jahren von der “Inpsyde GmbH” übernommen. Dieser Tod war und ist ein Einschnitt! Diese durchaus überraschende Übernahme ebenso! So tragisch das Eine und erfreulich das Andere ist, für mich kommt eine weitere Zahlung nicht in Frage.

Seit Ende 2012 gibt es keine “Lifetime”-Zahlung mehr, d.h. es gab einen äußerst weitreichenden “Aufschub” einer erneuten Zahlung, nämlich für 2 Jahre, inklusive aller Child Themes als Zugabe – die seinerzeit einen eigenen Preis hatten! Das war super, wirklich!

Die erneute Zahlung wäre für mich vergleichsweise heftig für alle 5 offiziellen Child Themes sowie das Framework selbst. Satte 335 US-Dollar sind es mir keinesfalls wert, nur um damit zu “spielen” oder ein wenig zu testen und zu vergleichen. (Hinweis: In meinem individuellen Verlängerungspreis ist ein Verlängerungsbonus bereits eingerechnet.)

3) Das Framework hatte nie ein Ökosystem und wird auch keins mehr bekommen

Es gibt gerade einmal 5 Child Themes, alle auf einem Design-Stand von 2010-2011, nicht responsive. Child Themes von Drittanbietern? Fehlanzeige. Es gibt ein einziges Plugin für das Framework, nämlich von mir selbst (einem quasi Nicht-Anwender!). Ansonsten? Ebenfalls Fehlanzeige.

Die Nutzerbasis für das System ist meines Erachtens viel zu gering. Das ist mittlerweile eine Insellösung geworden, mit der man sich unnötig – an den Herausgeber und die verfügbaren Optionen – bindet und langfristig keine Bonus-Effekte mehr hat, sondern eher Probleme!

Gerade das Fehlen eines Child Theme Marktes und einer Entwickler-Community ist tödlich für dieses gesamte Projekt. Mag es noch so genial zum Start gewesen sein, es blieb immer eine Insellösung. Selbst zu Lebzeiten des nie ruhenden und kreativen Herausgebers hat es diesen “Community-Sprung” leider nie gegeben. Sehr schade!

Auch ein fehlendes Plugin-Ökosystem zeigt, dass das gesamte Projekt außerhalb Deutschlands weitgehend unbekannt ist. Die fehlende Code-Dokumentation macht das Entwickeln von Zusatzplugins quasi gänzlich unmöglich.

Dieser Punkt ist, neben Nummer 1 oben, übrigens mein Hauptgrund, die Sache für mich zum Abschluss zu bringen.

4) Xtreme One verkörpert eine veraltete Philosophie

Seit 2010 hat sich die WordPress-Welt enorm entwickelt. Und innerhalb des Bereich “Themes” bzw. auch bei “Frameworks” hat sich sehr viel getan. In Xtreme One reflektiert sich dies lediglich etwas am Rande.

Das gesamte Dateipaket ist viel zu groß. Es gibt fast gar keine interne Code-Dokumentation.

Die meisten Funktionen des Frameworks würden eigentlich in ein paar gute Plugins gehören, zum Beispiel die ganzen Sachen fürs Widget-Management.

Auch die serienmäßige Auslieferung mehrerer (!) Slider-Möglichkeiten ist ein Relikt längst vergangener Zeiten.

Ebenso wurde seit der Inpsyde-Übernahme 2012, in den bisher knapp 2 Jahren, nur vergleichsweise wenig vorangebracht bzw. aktualisiert. Ist jedoch verständlich, wenn sich ein Team erst mal in eine riesige, fremde Code-Basis einarbeiten musste.

Andererseits saß eine renommierte Firma mit vielen Programmierern (statt vorher 2-3) dran, die mehr Ressourcen gehabt hätte. Insofern kann ich manches auch nicht verstehen und habe durchaus Verständnis für die Klagen mancher (Ex-) Kunden dazu.

5) Der Herausgeber bringt längst “normale” Themes heraus!

D.h. die Firma glaubt offensichtlich selbst nicht (mehr?) an ihr übernommenes Produkt. Wie sonst ist zahlenden Kunden zu erklären, dass es bis heute keine neuen Child Themes gibt, dafür aber drei (3!) sehr groß beworbene neue eigene Themes, die alle unabhängig von Xtreme One laufen?

Als Kunde würde ich mir das genau überlegen, was diese Botschaft eigentlich nach außen heißt.

Es ist kein Problem aus meiner Sicht. Es zeigt nur überdeutlich den längst stattgefundenen Paradigmenwechsel.

6) Welche Möglichkeiten hätte man alternativ?

Durchaus eine ganze Menge!
Meiner Meinung nach sollte Inpsyde so ehrlich sein zu seinen Kunden und das Projekt einstellen! Das ist zwar schmerzlich aber weit weniger schmerzlich als ein Sterben auf Raten. Das Catalyst Framework wurde 2013 auch eingestellt. Ca. 5.000 Kunden wurde empfohlen auf das Folgeprodukt umzusteigen, welches auf Basis des Genesis Frameworks läuft. Nur mal ein Beispiel. Es wurde gut kommuniziert und auch vorbereitet. Die Negativ-Presse hielt sich in Grenzen, die Enttäuschung einiger Benutzer war deutlich und verständlich (!), am Ende hat aber die Mehrheit den Wechsel vollzogen. Punkt. Fertig. Nach vorne schauen und neue Möglichkeiten entdecken.

Zum Beispiel: Keinen Neuverkauf des Frameworks und seiner Child Themes mehr, aber Unterstützung bestehender zahlender Kunden, um einen Übergang auf neue Lösungen begleitend zu unterstützen.

Irgendwann muss die Katze mal aus dem Sack. Lieber eher als später, wäre meine Empfehlung.

Die 3 neuen Themes dieser Theme-Schmiede sehen allesamt meilenweit besser aus als die in die Jahre gekommenen Xtreme One Vorlagen. Es geht schneller, ist flexibler und letztlich besser für den Kunden und den Markt.

Viele gute Funktionen aus Xtreme One könnte man in verschiedene Plugins packen, und einen Teil davon gut und gerne als kostenpflichtige Produkte. So würden manche gute Ideen fortleben und auch Altkunden bzw. bestehenden Anwendern einen Wechsel auf ein anderes Theme/ Framework erleichtern.

Fazit:

Meine Entscheidung steht seit über einem Jahr fest. Für das Team hinter dem Produkt tut es mir leid, ansonsten sehe ich das ganze jedoch schmerzfrei, wie meine Argumente oben auch erkennen lassen. Nur schade, dass damit meines Erachtens (aber sicher unabhängig von meiner Entscheidung hier…) ein Stück deutsche Ingenieurskunst mittel- bis langfristig von der Bildfläche verschwinden wird. Andererseits ist die Entwicklung in der WordPress-Szene schnellebig und hält unzählige Alternativen für alle Geschmacksrichtungen und Entwickler-Levels bereit. Insofern sollte es eigentlich auch keine “Verlierer” bei einer Neuausrichtung geben. Den Entwicklern und Herausgebern wünsche ich an dieser Stelle viel Weißheit und ein gutes Händchen für die Zukunft!

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Kommentare

  1. Hallo David, sehr interessanter Artikel! Wir haben jahrelang auf Xtreme One gesetzt und waren an sich auch zufrieden. Leider Gottes stagnierte irgendwann die Entwicklung. Das hast du mehr als richtig erkannt. Es herrschte auch ziemlich Chaos zwischendurch (Updates, Kompatibilitäten, welcher Weg sollte eingeschlagen werden,…). Wir haben später Genesis getestet. im Gegensatz zum Xtreme One machte es keinerlei “Mätzchen” und auch im Debug-Mode konnte man sich die Website anschauen ;-) Beim Xtreme One kamen doch so einige Warnhinweise dazwischen. Schlussendlich setzen wir aktuell auf ZURBs Foundation und das daran angelegte Parent-Theme “FoundationPress”. Das liefert uns sehr gute Dienste.
    Ob nun Foundation oder Genesis: Die Nutzer-Basis ist extrem (Wortspiel;)) gross. Entsprechend viele Lösungen, Themes, Ansätze, usw. gibt es im Kosmos.

    Auch die Herausgabe von neuen Themes die nicht auf Xtreme One basierten ist mir stark aufgefallen. Ich dachte auch: “OK, Xtreme One scheint ja nicht zu taugen, wenn der Bäcker seine eigenen Brötchen nicht essen möchte” ;)

    Xtreme One wird von den alten Kunden-Websites natürlich noch genutzt. Wenn es zu einem Relaunch kommen sollte, wird es aber effektiv nicht mehr genutzt.

    Ich kann deiner Argumentation als langjähriger Nutzer, der schon an die 20 Kunden-Websites auf Xtreme One-Basis ausgeliefert hat, auf jeden Fall 100% folgen.

    Übrigens: In Xtreme-One wurden/werden extrem viele verschachtelte proprietäre Funktionen genutzt, Genesis war da auf Anhieb deutlich “standardkonformer”. Vielleicbt ist es Geschmackssache, aber das war uns sofort aufgefallen.

    • Danke, Gino! Sehr interessante Dinge von einem “Heavy User”! Foundation klingt interessant, muss ich mir mal anschauen :). Ja, Genesis hat sehr viel getan seit 2011, um noch mehr standardkonformer zu sein bzw. zu werden. Da wird noch einiges im Detail passieren. Wo es geht, wird auf den Core zurückgegriffen. So muss es auch sein.

      Nichtsdestotrotz würde ich mir einige Xtreme One-Sachen als Plugin wünschen. So hätten alle was davon :)

  2. Wir haben tatsäch sehr lange auf Xtreme One gesetzt. Anfangs fand ich das Konzept auch schlüssig. Andere Frameworks haben sich aber in rasanter Geschwindigkeit entwickelt. Unter anderem Genesis. Dass keine passenden Child-Themes verfügbar sind, ist mir im Prinzip wurscht. Bei uns ist eh alles maßgeschneidert. Als wir einmal dann über Genesis auf Foundation und das dazugehörige FoundationPress gestolpert sind, haben wir auch die Entwicklung rund um Xtreme One aus den Augen verloren. Der aktuelle Stand ist mir daher gar nicht bekannt.

    Wie dem auch sei, der Framework-Markt ist hart umkämpft und mit solchen Playern wie Genesis, die tatsächlich Lifetime-Lizenzen für “ein Appel und ein Ei” rausgegeben, wird es nicht gerade einfacher für Nischenprodukte wie das Xtreme One Framework. Mal gespannt, was noch so kommt :) Vielleicht wird man ja doch noch überrascht :)

  3. Traurig, aber wahre Worte. Ich hab mich aus ähnlichen Gründen ebenfalls von Xtreme One verabschiedet und Genesis zugewandt. Es scheint, als seien erfolgreiche Software-Projekte in Deutschland nicht möglich. Zu starr sind die Geschäftsmodelle und zu klein die (zugelassene?) Paritzipation durch eine Community.

    • Danke für dein Feedback, Yor!

      Ob es nun am Geschäftsmodell lag oder liegt oder an der Community-Beteiligung, wage ich in diesem Falle etwas zu bezweifeln. Da kamen doch noch ganz andere, unvorhergesehene Faktoren hinzu. Aber generrell bin ich durchaus bei dir: wir scheinen bisweilen ein Mentalitätsproblem zu haben. Etwas mehr “Openess” und etwas weniger Perfektionismus täten manchmal ganz gut… :)

  4. seit etwa einer woche befass ich mich intensiv mit genesis framework und kann mich deiner meinung nur anschließen. ich hatte zwar nichts mit xtreme one am hut, aber thesis war so ein vergleichskandidat. obwohl auch das framework gute referenzen hat, ist für mich genesis das framework schlechthin. aufjedenfall: interessanter beitrag! dankeschön!

  5. Ja, genau so geht es mir auch!
    Kann jeden Punkt so unterschreiben. Habe damals schon Genesis genutzt, XO noch dazugekauft um mal zu sehen. Auch Lifetime Lizenz. Aber so richtig kam ich damit leider nie zurecht und Genesis hat mir einfach eine einfachere Oberfläche geboten und dann stetig wachsend neue Designs. Ich habe bis heute fast alle Projekte mit Genesis umgesetzt.
    Ich habe Extender und Dynamik von – jetzt – CobaltApps im Einsatz, ebenfalls Lifetime, bin also early adopter. Von Inpsyde nutze ich eines der hauseigenen Themes auch in Kombination mit WooCommerce, das ist die Ausnahme in meinem Portfolio. Bei mir wäre die Verlängerung für XO die Tage an der Reihe gewesen, habe ich aber auch sein lassen. Irgendwie tut sich da einfach nichts. Ich kann deine Entscheidung also nachvollziehen, stecke ja in denselben Schuhen. XO hatte ein gutes Konzept, sich aber nicht durchgesetzt.

  6. Angelika meint:

    Hallo David,
    nur kurz als Ergänzung:

    Du hattest die Einstellung von Catalyst erwähnt und es als Vergleich zum xtremeone-Vorgang genutzt. Hier muss man allerdings ausdrücklich betonen, dass alle mit Catalyst Lizenz “grandfathered” wurden, soll heißen, sie bekamen automatisch die Lizenz für DWB (Dynamik Website Builder). Und als das Lifetime Modell für DWB abgeschafft wurde, galt das nicht für diejenigen, die bereits eine lifetime Lizenz gekauft hatten. Für die gilt es nach wie vor – wie der Name bereits sagt -> “lifetime”.

    Da ist der der Eric echt super und hat dadurch viel Vertrauen geschaffen.

    • Hallo Angelika,
      danke für die Ergänzungen! Du hast natürlich vollkommen Recht :)
      Ja, das hat der Eric komplett richtig gemacht und so auch die “Migration” auf sein neues Modell sehr vereinfacht und “attraktiver” gemacht. Ich betreue einen Kunden mit Catalyst, der war auch super zufrieden mit dem Übergang.
      Danke!

  7. Hallo David,

    hast du gesehen?

    MarketPress hat einen richtigen Schritt gemacht und bietet jetzt xtreme one und alle Childthemes für lau an. Das ist der (einzig) richtige Schritt, um damit weiter zu verfahren.

    Aber ein generelles P.S. zu MarketPress – ich nutze deren Produkte weniger und weniger, da es mir zu häufig Komplikationen gibt und andere Lösungen mehr bieten (insbesondere WooCommerce Germanized PRO bietet mehr als German Market – mMn). Und ich habe den Eindruck, dass der Support im Forum einen häufig nicht verstehen *will* – anders kann ich mir die Antworten auf Supportanfragen manchmal echt nicht mehr erklären.

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